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Street Photography Workshop - Unter und über der Erde

Ein Blogbeitrag von Katharina Till

Mit Ulla Lohmann, Canon Explorer

Regen über Regen. Die Stimmung am Sonntag, den 17.4.2016 ist dennoch nicht getrübt. Ulla Lohmann gelingt es, uns alle mit verschiedenen Aufgaben und Herausforderung den Regen vergessen zu lassen. Motiviert ziehen die anderen Teilnehmer los, um den Münchner Marienplatz näher zu erkunden. Auch ich laufe hinterher und verliere die acht Fotografen schnell aus den Augen, denn als Streetfotograf unsichtbar zu bleiben, scheint niemandem schwer zu fallen. Wie man sich ,,unsichtbar’’ macht, erklärt uns Ulla Lohmann, die unter anderem schon für die National Geographic, GEO und die BBC als Expeditionsfotografin und -filmerin gearbeitet hat, anfangs gemütlich bei einem Kaffee im Werner Café am Marienplatz. Am besten sucht man sich einen Ort, wo man nicht gleich auffällt, beispielsweise einen Torbogen oder eine Straßenecke. Man sollte die Kamera vorher einstellen, den Ausschnitt wählen, geduldig abwarten und im richtigen Moment auf den Auslöser drücken. Minimalistisches Equipment oder eine Kamera mit Schwenkdisplay sind besonders hilfreich. Diesen und noch viele weitere Tipps verrät sie uns bei einem spannenden Vortrag über die Straßenfotografie. Dann lässt Ulla uns auf das Münchner Straßengeschehen los. Wir verlassen das Café und laufen in verschiedene Richtungen, um die ersten Aufgabe zu bewältigen: Wir sollen uns einen aussagekräftigen Bildausschnitt suchen und dann so lange warten, bis ein Mensch ihn vervollständigt, so dass ein noch besseres Bild entsteht. Um diesen magischen Moment einzufangen, muss der Fotograf alle Elemente, die sich in dem Sucherbild bewegen, im Bruchteil einer Sekunde innerhalb dieses Rahmens so ordnen, dass ein gut gestaltetes Bild entsteht. Der Fotograf wird zum Bühnenbildner. Er muss sich die Bühne suchen und warten, bis ein Protagonist darüber spaziert und diesen Moment festhalten.

Nach 20 Minuten treffen wir uns im Trockenen, um die Bilder zu besprechen und zu vergleichen. Wir alle sind am selben Ort und haben doch so unterschiedliche Aufnahmen! 

Nun bekommen wir eine neue spannende Aufgabe: Wir dürfen uns ganz auf Spiegelungen konzentrieren. Der Marienplatz bieten unzählige Möglichkeiten und auch der Regen kommt uns bei dieser Aufgabe sehr zugute, denn der Boden verwandelt sich in einen Spiegel-Landschaft. Ich positioniere mich vor einem Schaufenster und beobachte die vorbeilaufenden Menschen durch meine Linse. Auch die anderen Fotografen beziehen ihre Stellung vor Fenstern, Pfützen und Spiegeln. Viele Passanten schütteln im Vorbeigehen den Kopf, weil sie nicht verstehen,warum ich mit dem Rücken zu den bekannten Sehenswürdigkeiten fotografiere, aber ich werde mit tollen Bildern belohnt. Wiederum besprechen wir die Bilder und bekommen viele hilfreiche Tipps. 

Für die dritte Aufgabe dürfen wir ein Stockwerk tiefer, in die Münchner U-Bahn. Hier sollen wir uns auf das Spiel von Licht und Schatten fokussieren und es fotografisch festhalten. Auch wenn ich schon mehrmals U-Bahn gefahren bin und dachte, diese Umgebung zu kennen, bin ich überrascht, wie anders es durch die Kamera aussieht und welche Fotos dabei entstehen. 

Rechtzeitig, bevor mein Magen zu stark knurrt, kehren wir in einem gemütlichen Hofbräuhaus ein, um uns bei einem Hellen und Leberkäse oder Salat und Apfelschorle näher kennenzulernen. Auch technische Fragen, wie die Blendeneinstellung werden mithilfe eines Bierdeckels erfolgreich von Ulla erklärt. 

Nach einer Einführung in die manuelle Fotografie stürzen wir uns wieder motiviert ins Münchner Straßengeschehen. Jetzt sollen wir nur noch im „M“ Modus arbeiten. Bei der vierten Aufgaben sollen wir unser grafisches Auge schulen und auf Formen und gerade Linien achten. Gut, dass Linien nicht weglaufen und wir uns viel Zeit bei den manuellen Einstellungen lassen können! 

Anschließend besprechen wir wieder gemeinsam die Bilder und bekommen dann die finale Aufgabe erklärt: Das dokumentarische Porträt. Hier ist Interaktion gefordert. Mir fällt es generell leichter, auf fremde Menschen zuzugehen. So traue ich mich recht schnell, eine junge Frau anzusprechen, die sich sofort begeistert fotografieren lässt. Für die Teilnehmer, denen es nicht so leicht fällt, gibt Ulla wertvolle Tipps, zum Beispiel zuerst etwas in einem Geschäft kaufen, das nicht so sehr überlaufen ist, ein kurzes Gespräch suchen und dann – bei positiver Rückmeldung- fragen, ob man fotografieren darf. 

Nach acht Stunden versammeln wir uns wieder im Café, um den Workshop entspannt ausklingen zu lassen. 

 ,,Ich habe München heute noch einmal ganz anders kennengelernt!’’ , „So habe ich München noch nie gesehen!“, „Ich hätte nie gedacht, bei diesem Wetter so tolle Bilder machen zu können!“, so die Teilnehmer.

 Ich war auch sehr überrascht, welche Stimmungen ich bei Regen einfangen konnte. Normalerweise bleibe ich bei solch einem Wetter zu Hause. Ebenso wurde mir klar, dass ich bisher beim Fotografieren eher hektisch von einem Ort zum andern eilte. Durch die Fokussierung auf eine Aufgabe merkte ich, dass ich die besten Resultate erzielen kann, wenn ich an einem ausgesuchten Ort bleibe und abwarte, was passiert. Ich freue mich schon darauf, alleine loszuziehen und das Gelernte umzusetzen. 

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